Wo Flow ist ist, kann keine Angst sein

Ich habe hier schon lange nichts mehr geschrieben. Das liegt nicht an der Urlaubszeit und auch nicht daran, dass es mir an Themen gemangelt hätte. Ganz im Gegenteil: Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht mit einem Aha-Erlebnis oder neuen Erkenntnissen und Perspektiven aufwarten könnte. Aber ich war, was das Schreiben betrifft eine Weile wohl nicht so recht im Flow. Jetzt bin ich meinem Impuls gefolgt diesen ziemlich persönlichen Beitrag zu veröffentlichen.

Einfach Impulsen folgenVertrauen

Ehrlich gesagt, ging es mir nicht nur in Bezug auf’s Schreiben so. Seit Anfang des Jahres befand ich mich beruflich gesehen in einer Art Schlummerschlaf. Es kamen relativ wenige Kundenanfragen und ganz ehrlich: Ich wollte es auch nicht anders.

Ich gab mich einer Trägheit hin, die ich bis dahin noch nicht in meinem Leben kannte. Aktivitäten und Routinen, die ich mir in 15 Jahren Selbständigkeit angeeignet, ausgeübt und als unabdingbare Verpflichtung nie in Frage gestellt hatte, lies ich einfach sein. Ich tat buchstäblich nichts.

Aus dem gefühlten Nicht(s)tun entsprangen ganz neue Impulse, die ich stattdessen verfolgte: zum Beispiel  zum Kuchenbacken, Kochrezepte ausprobieren, Bügeln, Wohnung renovieren, den Balkon bepflanzen, mich mit Freunden treffen, jederzeit zu meinen Eltern nach Süddeutschland fahren, meine neue Rolle als Großmutter ausprobieren, mit meinem Liebsten verreisen, Freunden bei Umzügen helfen, usw.

Das klingt wahrscheinlich von außen betrachtet nicht ungewöhnlich. Doch für mich war das Besondere daran, dass ich mir selbst die vollumfängliche Erlaubnis gab, genau das zu tun was jetzt getan werden wollte – und zwar in aller Ausdehnung und Langsamkeit. Verglichen mit dem, mir vertrauten Aktivitätstempo fühlte sich mein Leben extrem verlangsamt an. Ich muss zugeben, dass mir das ein wenig Angst machte, aber ich schien ohnehin keine andere Wahl zu haben, als diesen Weg zu gehen.  Um so kraftvoller empfand ich meine eigene Präsenz und um so profunder fühlten sich meine Erfahrungen, Begegnungen und  mein Lernen an.

Gesandte des Seins 

Doch dann kamen genau die Richtigen. Meine wenigen Coachees scheinen mir im Nachhinein wie Gesandte, die nicht nur ich durch ihre Prozesse begleitete, sondern auch umgekehrt. Seit Januar hatte ich ausschließlich Klientinnen und Klienten, die  sich seit Jahren als Künstler, Hochsensible, Scannertypen und Buntbegabte durchs Leben schlagen. Lebenskünstler und -künstlerinnen, deren unbändige Kreativität mich begeisterte, Menschen, deren Lebensläufe vom Sein anstatt vom Tun geprägt sind. Sie suchten in mir eine Gesprächspartnerin und ein Gegenüber zur beruflichen Orientierung und Positionierung.

Jeder und jede Einzelne eröffneten mir eine Welt, die ich so bisher noch nicht sehen konnte. Sie machten mir anhand ihrer Biografien etwas bewusst, was mich schon seit ich bewusst denken kann, begleitet. Etwas, was ich schon tausend mal gelesen und von Lehrern und Gurus gehört hatte: Kreativität erwächst nicht aus dem Tun, sondern aus dem Sein. Das heisst, dass der Ursprung von Kreativität nicht in, sondern außerhalb der Intention liegt.

Ein banales Selbstverständnis für meine Klienten, das für mich geradezu mindblowing war. Während wir im Coaching an Zielentwicklungen und Bewerbungsstrategien arbeiteten, breitete sich in mir eine tiefe Sehnsucht nach so etwas wie dem bedingungslosen Sein aus. 

Ich war bereit, radikal meinen Modus umzustellen und sensibilisierte mich in allen Lebensbereichen. Ich übte es, so lange im Sein-Modus zu bleiben, bis daraus ein echter Impuls zum Tun entstand. Zwar fühlte sich diese Übung oft unglaublich träge an, doch die Impulse, die daraus geboren wurden führten zu beglückenden Handlungen, die Kreativität, Wahrhaftigkeit und Freiheit vereinten. Dieses im Flow sein hat mich mit dem verbunden, was ich  Urvertrauen nennen möchte.

Wo Flow ist, kann keine Angst sein

Wo Flow ist, hat die Angst keinen Platz – das war eine Erkenntnis, die ich direkt meinen Gesandten überbringen konnte. Und genau das schien für uns alle ein wichtiges Puzzleteilchen gewesen zu sein. Für meine Coachees, die wieder Vertrauen und Mut für ihr Tun entwickelten und für mich, die noch mehr als zuvor ihrem Sein vertraut.

(Hanna Sostak, Coach für neue Berufswege, September 2018)