Feuer und Flamme

In meiner Praxis als Coach, Trainerin und  Kompetenzberaterin habe ich unzählige Menschen kennengelernt, die sich beruflich in einer (Um-) Orientierungsphase befinden. Wie weiter?  ist die große Frage und wie jemand sich dieser Frage annähert, ist sehr unterschiedlich. Wie Menschen sich beruflich (um-) orientieren ist eine Frage des Typs und der Rückblick auf frühere Jobwechsel macht wiederkehrende Muster erkennbar. Mit diesem Beitrag möchte ich den Burner vorstellen.

Der Burner

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Foto: Hanna Sostak

Typische Burner erkennt man an ihrer extremen Begeisterungsfähigkeit. Sie können schnell für neue Themen entflammen und andere leicht mitreißen. Oft hat der Burner Typ in vielen verschiedenen Berufen und Branchen gearbeitet und  die Spannbreite seiner Tätigkeitbereiche ist recht groß. Während der Einstieg ins Berufsleben oft sehr vernunfts- und sicherheitsbetont ist, folgen nicht selten Tätigkeiten, die vom Sachbearbeiter beim Amt bis zum Betreiber einer Tauschschule reichen können. So kommt es, dass die Burner-Vita oft im Zickzack-Kurs verläuft und der sogenannte „rote Faden“ nicht leicht erkennbar ist. Weder eine besonders wichtige Positionen, noch eine erfolgreiche Karriere treiben ihn an, daher ist der Burner selten in der Chefetage oder als etablierte/r Unternehmer/in. Der Antrieb für die berufliche Orientierung ist immer die Inspiration und Vorstellungskraft (Vision) Der Burner begeistert sich relativ schnell für eine neue Tätigkeit, wenn sie mehr Strahlkraft hat, als die alte. Angezogen von neuen Möglichkeiten, blickt er fokusiert nach vorne und lässt das Alte problemlos hinter sich.

Bei der Betrachtung der Biografie des Burners  fallen Ausdrücke wie „Wow, das war genau das, was ich machen wollte!“,  „Das konnte man was draus machen“, „ich war total begeistert“, „ich hatte Lust“, „Ich war fasziniert“, „Ich hatte die Chance, das zu machen“.

Der Burner-Typ in der Kompetenzberatung

„Ich bin eigentlich in einer luxeriösen Situation. Habe einen tollen Arbeitgeber, ein gutes Einkommen und alles läuft reibungslos. Dennoch bin nicht mehr zufrieden.“ Nina S. sagt, dass Sie sich wie gefangen fühlt. Sie wolle ausbrechen, etwas anderes machen, aber genauso wichtig sei es ihr, durchzuhalten um sich und den anderen zu beweisen, dass sie ein standhafter Mensch ist, der Dinge zuende bringen kann.

Nina S. (44) verließ nach ihrer Ausbildung als Verwaltungsfachangestellte den öffentlichen Dienst, um eine Stelle am Empfang eines internationalen Luxushotels anzunehmen. Eine Stelle, die sehr gut zu ihr passte, da sie als charmante und serviceorientierte Frau gut mit internationalem Publikum in Premium Sektor umgehen konnte. Im Laufe Ihrer fünfjährigen Dienstzeit führte sie eine neue, Form der Schichtplanung ein, modifizierte das Reservierungssystem und setzte innovative Ideen für den Roomservice um. Als die hoteleigene Beautyfarm eine neue Kosmetikerin suchte, entschloss sie sich kurzerhand, eine Kosmetikerausbildung zu machen. Sie übernahm die Verantwortung für das Kosmetikstudio und das Schwimmbad. Bald leitete Sie die Modernisierung und den Umbau des gesamten Wellnessbereichs ein und managte das Tagesgeschäft und mehrere MitarbeiterInnen. Das Geschäft lief gut. Nina S. gründete eine Familie und beschloss direkt nach der Elternzeit, einen Second-Hand Laden für besondere Babysachen zu eröffnen. Ein paar Jahre später nahm Nina S. eine Stelle als Officemanager bei einem internationalen Start-up Unternehmen in der Filmbranche an und verkaufte ihren Babyladen. Als Assistentin der Geschäftsführung organisierte sie Termine, Reisen, Events. Sie richtete die Arbeitsabläufe für das Büro ein und entwickelte ein Ordnungs- und Organisationssystem. Sie entwickelte Vorschläge für ein neues Logo und Corporate Design, stellte neue MitarbeiterInnen ein und initiierte Maßnahmen zur Personal- und Organisationsentwicklung.

Jetzt, wo das Unternehmen etabliert ist und die Arbeitsabläufe reibungslos funktionieren, hat Nina S. ihre Freude an der Arbeit verloren. Sie ist unruhig und schaut sich nach neuen Herausforderungen um.

Nina S. hat in ihrem Berufsleben überdurchschnittlich viel Energie eingesetzt und obwohl immer viel Freude und Elan dabei war, möchte sie zukünftig nicht mehr so weitermachen wie bisher. „Ich habe so viel angefangen und weiß gar nicht, was ich wirklich kann!“

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Foto: Hanna Sostak

In der Kompetenzberatung wurde ihr klar, dass ihre Kompetenz darin liegt, Dinge zu initiieren, voranzutreiben und umzusetzen. Sie erkannte, dass es Sinn macht, dieses Talent weiterhin beruflich zu nutzen und dass es ihr Spaß macht, ihre Kompetenzen an andere weiterzugeben. Die Idee, ihre Fähigkeiten in Zukunft als Businesscoach, Projektentwicklerin, Interimsmanager zu nutzen, begeisterte sie.

„Ich kann, will und liebe es, andere zu motivieren und Geschäfte zum Laufen zu bringen,“ war eines der prägnantesten Ergebnissen aus wenigen Coachingsitzungen.

Nina S. absolviert mittlerweile eine berufsbegleitende Beraterausbildung, wo sie sich die notwendigen Skills für ihre zukünftigen Einsätze aneignet. Schon jetzt ist sie für ihren neuen Beruf ganz Feuer und Flamme!

Copyright Hanna Sostak